Als Deutsche in Südspanien – passt das?

Was geht einem als erstes durch den Kopf wenn man an Spanien, insbesondere an Südspanien denkt? Mir fallen da als erstes Stichwörter wie Siesta, Paella, Sonne, Meer, Flamenco, Rotwein und natürlich die schöne Sprache ein. Alles schöne Dinge auf die ich mich vor meinem Aufenthalt in Spanien sehr freute. Und hier erfreue ich mich über das Meiste auch jeden Tag. Vor Allem über das gute Essen und die Sonne. Trotzdem stellte ich mir gestern die Frage: Als Deutsche in Südspanien – passt das?

 

Denken in Klischees – sorry!

Auch wenn es heute ja verpönt ist in Klischees zu denken, ich merke hier doch immer wieder wie „Deutsch“ ich eigentlich bin. Ich versuche Dinge schnellstmöglich zu erledigen, habe meist ein Ziel (einfach schlendern? Wohin führt das?) oder werde schnell ungeduldig. Da wo ich ungeduldig werde, lehnt der Spanier sich entspannt zurück und hält erstmal ein Pläuschchen. Schon alleine wenn ich durch die Stadt gehe und nicht voran komme, weil vor mir Menschen im Schneckentempo daher laufen, bekomme ich einen Anflug von Aggressionen. Doch in diesem Moment, in dem ich diese Ungeduld wieder aufflackern spürte, ist mir etwas klar geworden. Was bringt mir das Rumgehetze? Was hab ich davon schnell durch die Stadt zu laufen und schnell im Appartement oder sonst wo zu sein? Ausser dass ich all die schönen Eckchen, Plätze und auch Momente verpasse…nichts.

Also habe ich mir vorgenommen, meine durchaus guten deutschen Eigenschaften (wie Zuverlässigkeit, Geradlinigkeit und Gewissenhaftigkeit) mit den südländischen zu vereinen bzw. es zumindest zu üben. So setzte ich mich gestern nach der Schule in ein Café an der Plaza de la Constitución, liess mir die Sonne ins Gesicht scheinen und trank ein kühles Cerveza (klar, bin ja Deutsche ;)). Und danach noch eins. Und genoss es einfach nur da zu sitzen während mir Freunde aus Deutschland kurz zuvor noch Nachrichten schrieben wie kalt und ungemütlich es gerade in Deutschland ist. Hä Hä. (Ist Schadenfreude eigentlich eine deutsche Eigenschaft oder einfach nur eine miese Charaktereigenschaft meines Individuums?)

 

An das Gefühl gestern, es war anscheinend Gelassenheit, die mir sonst in meinem Alltag doch sehr oft fehlt, versuche ich mich jetzt stetig zu erinnern. Wenn Leute vor mir her schleichen oder die Kellnerin sich noch mit ihrem Kollegen unterhält bevor sie mir die Rechnung bringt, versuche ich Cool zu bleiben. Nicht, dass ich vorher Theater gemacht hätte, aber ich habe mich innerlich aufgeregt und das will ich nicht mehr.

 

Gracias Málaga, auf dass ich noch einiges mehr von dir lerne als die spanische Sprache und Gelassenheit!

 

Für alle diejenigen, die beim Lesen des Artikels einen inneren Widerstand verspüren und denken „wie kann sie nur so in Kategorien denken, nicht alle Menschen einer Kultur sind gleich“: Mir ist bewusst, dass man sich nicht nur über predefinierte Eigenschaften identifiziert und dass jeder Mensch ein einzigartiges Individuum ist. Ich bin trotzdem der Meinung, dass man sich entweder mit Dingen, die man einer Kultur zuschreibt indentifizieren kann oder nicht. Und das ist immer eine freie Entscheidung.

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